Sunday, April 14, 2024
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EU-Zerfall würde deutsche Wirtschaft massiv schwächen


Die EU gilt als Wohlstandsgarant, insbesondere für die Exportnation Deutschland. Nun haben Ökonomen ausgerechnet, was ein Untergang der Union bedeuten würden – mit teils drastischen Ergebnissen.

Die Bedeutung der europäischen Integration für Deutschland wird oft betont – doch lässt sie sich auch beziffern, etwa in ökonomischen Kategorien? Ökonomen des Münchner Ifo-Instituts haben genau das versucht: Sie haben kalkuliert, welche wirtschaftlichen Folgen ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union hätte.

Die Verluste an Wirtschaftskraft – und mittelbar auch Wohlstand – wären demnach erheblich. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf würde in Deutschland um 5,7 Prozent zurückgehen. Anderswo wären die Folgen noch drastischer: In Österreich droht demnach ein Minus von 7,8 Prozent, in den Niederlanden von 7,7 und in Belgien von 10,2 Prozent. Für Frankreich und Italien wird der Verlust auf jeweils 4,1 Prozent beziffert. Am meisten würden kleinere Volkswirtschaften wie Malta (19,4), Luxemburg (18,1) und Estland (11,8 Prozent) verlieren.

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Die größeren Schäden für kleinere Volkswirtschaften hängen mit den Handelsströmen zusammen. Je kleiner ein Land, desto stärker kann es profitieren von einem Zusammenschluss mit anderen Staaten zu einem gemeinsamen Binnenmarkt und zollfreiem Handel – also so wie in der EU. Je größer eine Volkswirtschaft hingegen ist, desto mehr Handel und Austausch kann sie auch innerhalb des eigenen Landes abwickeln.

EU-Beiträge nur mit geringem Einfluss

Auch die Tatsache, dass es Nettozahler und Nettoempfänger in der EU gibt, hätte Folgen im Falle eines EU-Zerfalls. »Berücksichtigt man zusätzlich die Transferzahlungen unter den EU-Staaten, würden sich die Wohlstandsverluste bei Transferempfängern wie Ungarn, Litauen und Bulgarien nahezu verdoppeln«, sagte Ifo-Forscherin Jasmin Gröschl. »Nettobeitragszahler wie Deutschland und Schweden verlieren etwas weniger.« Die Vorteile, die die Nettozahler aus einem Ende ihrer Transfers ziehen könnten, wären jedoch viel kleiner als die Verluste, die durch eine Auflösung der EU entstehen würden. Für Deutschland beliefen sich die Vorteile auf nur 0,2 Prozentpunkte, verglichen mit einem Verlust von 5,2 Prozent durch eine Auflösung aller EU-Abkommen.

Berechnet haben die Volkswirte auch die Folgen einer Auflösung nur des EU-Binnenmarktes. Die Wohlstandsverluste für große EU-Volkswirtschaften wie Deutschland (minus 3,6 Prozent), Frankreich (3,0 Prozent), Italien (2,7 Prozent) oder Spanien (2,5 Prozent) sind demnach geringer als die für kleine EU-Volkswirtschaften. Für Österreich würde die Auflösung des EU-Binnenmarktes einen Wohlstandsverlust von 5,6 Prozent bedeuten.

Eine Auflösung der EU-Zollunion würde hingegen zu geringeren Auswirkungen führen als die Auflösung des Binnenmarktes. Die größten Verluste träten dabei in Irland (0,4 Prozent) sowie in Tschechien, Luxemburg, Polen und Slowenien (0,3 Prozent) auf. Die negativen Folgen auf die anderen EU-Länder wären vergleichsweise gering. Eine Auflösung der Eurozone hätte negative Auswirkungen auf alle Mitgliedstaaten. Sie wären allerdings nur für Luxemburg (2,5 Prozent) und Deutschland (0,7 Prozent) bedeutsam, so die Ifo-Forscher.

Quelle : Spiegel

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